Lombok liegt vierzig Kilometer östlich von Bali, hinter einer Meerenge, die
tiefer ist, als sie aussieht. Sie trennt nicht nur zwei Inseln, sondern zwei
Naturräume: Westlich davon leben die Tiere Asiens, östlich die Australiens. Die
Grenze heißt Wallace-Linie, und sie erklärt, warum Lombok trockener wirkt als
sein Nachbar — karger, weiter, mit weniger Grün und mehr Himmel.
Über allem steht der Mount Rinjani. 3.726 Meter, ein Kratersee auf zweitausend
Metern und ein zweiter, jüngerer Vulkan mitten darin. Man sieht ihn von fast
jedem Punkt der Insel, und von seinem Kraterrand aus reicht der Blick an klaren
Morgen bis nach Bali zurück.
Der Westen um Senggigi ist die älteste Urlaubsgegend der Insel: eine Kette
von Buchten mit Blick auf Bali und einem Sonnenuntergang, für den Leute anhalten.
Als Standort praktisch, als Badeort mittelmäßig.
Im Nordwesten liegen die Gili-Inseln, zwanzig Bootsminuten vor der Küste. Auf
keiner der drei fährt ein Auto. Gili Trawangan ist die belebte, Gili Meno die
stille, Gili Air die dazwischen — und wer sich nicht entscheiden kann, liegt mit
der letzten selten falsch.
Der Süden ist eine Aneinanderreihung von Buchten, jede mit eigener Form und
eigener Brandung. Hier ist der Sand am hellsten, hier wird gesurft, und hier baut
das Mandalika-Projekt seit Jahren an einer Region, die noch nicht fertig ist.
Im Norden und Osten beginnt der Berg. Senaru und Sembalun sind die
Ausgangspunkte für den Rinjani, dazwischen liegen Wasserfälle, Reisterrassen und
die Dörfer der Sasak — der Bevölkerungsgruppe, die die große Mehrheit der Insel
stellt.
Kein zweites Bali. Es gibt weniger Hotels, weniger Restaurants, weniger
Verbindungen und keine Tempelanlage von der Wucht der balinesischen. Die Insel
ist muslimisch geprägt, nicht hinduistisch, und das merkt man am Tagesablauf, an
der Kleiderfrage und daran, dass abends um zehn vielerorts Schluss ist.
Wer den Vergleich mit Bali sucht, wird ihn an den meisten Stellen verlieren. Wer
stattdessen Platz sucht, findet ihn hier noch.